Rover 3500 V8

Englische Luxusklasse - kraftvoll und preiswert

Der Rover 3,5 in einem Autotest: Es zeigen sich viel Komfort, zeitlose Form, verhältnismäßig günstige Kosten und gute Fahreigenschaften.

Ledersessel - das ist ein Inbegriff des Luxus. In der englischen Limousine Rover 3,5 sind sie serienmäßig. Wer Fingerspitzengefühl hat, der freut sich am edlen Holzlenkrad, das sich außerdem noch nach oben oder unten verstellen läßt - damit der Fahrer besonders gut sitzt. Auch das ist im Preis drin, genauso wie die ruhig und - wenn sie richtig eingestellt ist - ohne Verzögerung arbeitende Schaltautomatik des Getriebes.

Der Achtzylinder-Motor mit 3,5 l Hubraum und 141 PS läuft sprichwörtlich seidenweich. Er beweist seine Kraft schon von 1000 U/min an. Und im Dauerlauf hält er auch niedrige Drehzahlen. Das verlängert natürlich sein Leben.

Zum Luxus gehört der Fahrkomfort. Der Rover 3,5 geht absolut neutral durch alle Kurven. Schlechte Straßen machen sich höchstens mit einem leichten Poltern akustisch bemerkbar. Über Lenkung und Sitz spürt man sie überhaupt nicht. Im übrigen hat man immer das Gefühl, fest an der Fahrbahn zu haften. Und nach "Sprunghügeln" staucht die Federung niemals durch.

Von außen macht der Engländer, der mal den Spitznamen "Rolls-Royce des kleinen Mannes" bekam, einen zurückhaltenden, zeitlos-modernen Eindruck. Er ist nicht überzüchtet, sondern solide. Und er hat einen Vorteil, den man bei den meisten Neukonstruktionen vermißt: Man hat von innen einen hervorragenden Rundumblick. Man kann genau sehen, wo an jeder Karosserie-Ecke der Wagen zu Ende ist. Verbunden mit der zwar recht indirekten Lenkung (4,5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag) ist ein erstaunlich enger Wendekreis (9,6 m). Da werden Stadtschlängeleien zum Spiel.

Der Rover 3,5 wird kalt mit Choke-Zug gestartet. Und wenn der Motor seine Betriebstemparatur erreicht hat, leuchtet am Armaturenbrett ein Licht auf. Dann kann man den Choke wieder hineinschieben. Diese sinnreiche Einrichtung hilft, Benzin zu sparen. Sie arbeitet zuverlässiger als eine Startautomatik.

Die Fahrleistungen des Rover 3,5 haben fast sportlichen Charakter, wenn man sie von der Stoppuhr abliest. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt das immerhin 1300 kg schwere Fahrzeug im Test in 12,4 Sek. Und die Spitzengeschwindigkeit lag bei 180 km/h.

Natürlich ist der Blick auf die Benzinanzeige interessant (der Tank faßt übrigens 68 Liter, davon kann man 12 Liter durch einen besonderen Reservezug freigeben): zwischen 11,2 und 12,9 L auf 100 km Fahrstrecke (Superbenzin).

Preiswert ist nicht mit "billig" gleichzusetzen. Aber mit allen Extras, für die in anderen Fabrikaten auch extra gezahlt werden muß, kostet der Rover 3,5 19.100 Mark. Und das ist schließlich ein vergleichsweise niedriger Preis für einen "kleinen Rolls-Royce".

Neue Revue / Deutschland 19/1974

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